16. Peraine 20 Hal

Sie fror. Neferu versuchte sich zu erinnern, aber sie fand keinen Anhaltspunkt. Sie hatte Phexens Lachen gehört… Und dann? Wie war es weitergegangen? Verwirrt versuchte sie sich vorsichtig aufzurichten. Ihr Körper fühlte sich steif an, sie fühlte Blessuren, als sie sich auf die Ellenbogen stützte. Schritte kamen von links, gingen über Holz. „Wie geht es Euch, Fräulein?“ eine verhärmte junge Frau lächelte matt und sah sie an. War das nicht Tormans Mutter? Wie um alles in Dere… Sie hatte zum Phextempel gewollt – mehr wollte ihre Erinnerung nicht preisgeben. „Wie komme ich hier her..?“ Ihre Stimme klang überraschend funktional, wenn auch etwas heiser. Immerhin war sie nicht halbtot. Die Miene der Mutter des kleinen Informanten wurde mitleidend. „Die Jungs haben Euch schreien gehört und..“ „Schreien?“ Ungläubig starrte Nef sie aus einem großen und einem malträtierten Auge an. Sie stellte sich vor wie sie auf dem dreckigen Boden in Eschenrod lag und schrie. Es war nur ein konstruierter Gedanke, die Erinnerung an die Ereignisse blieb fern. Behutsam und langsam ergänzte die Eschenroderin: „Ihr seid hübsch, Fräulein – und habt diesen schönen Mantel getragen, sagt Fricken..“ Nef wurde übel. Eschenrod… Genau, sie war nach Eschenrod gegangen, denn in einem Anflug von Phexfanatismus hatte sie die kleine Hex (so der Name des Mädchens) und die zwei Jungen, die Anzeichen zeigten, sich dem Listenreichen dienlich erweisen zu können, mit in den Schattentempel nehmen wollen. Das Waisenhaus war ihr Ziel gewesen. Sie hatte nicht an die Gefahren gedacht. Eschenrod war ihr immer vertraut gewesen. Sie hatte eine lange Zeit hier gelebt. Sie hatte sich sicher gefühlt, überlegen allen Gefahren der Straße, selbstbewusst gegenüber den Lungerern. Und insgeheim musste sie sich eingestehen, dass sie unvorsichtig geworden war, ob all der Überheblichkeit, dem Gefühl, der Stadtteil würde irgendwie ihr gehören.

Und jetzt… Sie ahnte Schlimmes. Ihre Finger schoben sich unter die Decke… „Sie sind zu sechst gewesen, Fräulein.“ Fuhr Frau Torman – so nannte Nef sie in Gedanken – fort. „Sie haben euch den Umhang geklaut. Und was Ihr am Gürtel hattet. Und..“ Neferus Finger erreichten ihren Unterleib. Die kleinste Berührung dort trieb ihr die Tränen in die Augen, als sie die Blutergüsse in den tieferen Regionen ertastete. „Das… ist nur einer von Ihnen gewesen. Ihr hattet noch Glück, wahrscheinlich hätten die Euch umgebracht, aber die Jungs waren noch draußen und..“ Neferu übergab sich.

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