19. Peraine 20 Hal

Seit drei Nächten war sie im Perainetempel und verschlief den halben Tag. Die Erinnerung an das Geschehene war nicht zurückgekehrt und würde es auch nie wieder. Salpico hatte seinen Zeigefinger auf ihre Stirn gelegt und die Bilder der Gewalttat herausgerissen. Er hatte sie sich selber einverleibt. Auch Phexdan hatte er sie gezeigt. Neferu selbst befand sich in der ungewöhnlich seltsamen Situation, die einzige des Dreiergespanns zu sein, die sich nur aus Erzählung an die Schändung ihres eigenen Leibes erinnerte. In den Händen von Dimione und Rohalides wollte sie genesen. Eine seltsam monotone Ruhe lag in ihr.

„Das ist der Schock.“ Hatte Dimione noch am ersten Tag erklärt.
Nef fühlte sich wie vor einigen Monaten, als Zerwas sie zur Ader gelassen hatte. Blass, kränklich und blutarm.
Die zwei Geweihten der lindernden Göttin hatten die Wunden bluten lassen. Erste Anzeichen einer schlimmeren Krankheit erforderten solche Maßnahmen. Absurd. Hatte sie gedacht, als sie in einem warmen Bad aus Kräutern, Wasser und ihrem eigenen Blut gesessen hatte. Die bleierne Gefühllosigkeit irritierte sie. Warum rastete sie nicht aus? Phexdan und Salpico hatten wesentlich schwerer an der ganzen Sache zu tragen, hatten sie sich doch mit der Erinnerung belastet, die ihr erspart geblieben war. Jeder der beiden litt auf seine Weise. Phexdan ungewöhnlich still und sich abwendend, Salpico in sprühender Wut.
Sie wollte nur diese beiden in diesem Moment um sich haben. Sie kannte sie am längsten, am Besten und auch wenn sie gute Freunde in Gareth gefunden hatte, wollte sie sich in diesen Tagen an das halten, was sie schon früher gekannt hatte. Bevor sie zurück in die Hauptstadt gekehrt war. So bat sie die Perainegeweihten, niemanden herein zu lassen, außer den tulamidischen Magier und den maraskanischen Wuschelkopf. Trotz dem hatte sie am Puniner Tor der blonden Wachfrau beim Durchkommen vor Tagen Bescheid gegeben, dass sie angegriffen worden war. Sprengler sollte wenigstens wissen, was los war.
„Wir müssen sie finden. Und wir müssen sie strafen.“ Hatte ihr Urteil über die sechs Männer gegenüber ihrer zwei engsten Freunde gelautet. Selbst Phexdan stimmte diesem Maß an Selbstjustiz mit bitterer Miene zu.
„Aber lass es mich auf meine Art machen..“ hatte Salpico düster geschnarrt und unüberlicherweise hatte Neferu dem ihre Zustimmung gegeben. „Auf deine Weise, Salpico.“

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